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Nachhaltigkeits-Bericht. Und jetzt? Begriffe und Lösungen

Nachhaltigkeits-Bericht. Und jetzt? Begriffe und Lösungen

Spätestens mit der drohenden Gesetzwerdung der CSRD im vergangenen Jahr war er in aller Munde: der Nachhaltigkeitsbericht. Kaum ein Meeting, kaum ein Gespräch in dem nicht Fragen wie „Machen Sie auch Nachhaltigkeitsberichte?“ oder „“Was machen wir jetzt mit unserem Nachhaltigkeitsbericht?“ auftauchten. Auf Nachfrage stellte man häufig fest, dass es häufig kein klares Bild vom sogenannten „Nachhaltigkeitsbericht“ gab, geschweige denn eine Idee von den mit der Berichterstattung verknüpften Möglichkeiten in der Nachhaltigkeitskommunikation.

Was ist ein Nachhaltigkeitsbericht?

Nachhaltigkeitsberichte stellen die Tätigkeiten und Leistungen von Organisationen in Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung dar. Dabei greifen sie die wichtigsten Themengebiete der Nachhaltigkeit auf: Ökonomie, Ökologie und Soziales (Triple Bottom Line). Neben dem Geschäftsbericht ist der Nachhaltigkeitsbericht wesentlicher Bestandteil der Informationspolitik des Unternehmens. Er ist einerseits Instrument des Nachhaltigkeitsmanagements und gleichzeitig Element des Marketings. Und genau hier wird es kompliziert: Denn wo ist die Abgrenzung zwischen diesen beiden Bereichen?

Betrachtet man die Vorgehensweise nach traditioneller Praxis so enthält der „klassische Nachhaltigkeitsbericht“ sowohl quantitative Kennzahlen als auch narrative Elemente. In der Vergangenheit orientierte er sich oft an Standards wie der GRI (Global Reporting Initiative) oder den SDGs (Sustainable Development Goals). Diese Berichterstattung ist freiwillig und wurde zunehmend von Stakeholdern und Investoren erwartet. Dabei war es wichtig Transparenz zu schaffen – ohne strikte Regularien, wie bei einem durch CSRD und den damit verbundenen ESRS definierten Bericht.
Anders verhält sich dies mit den Vorgaben der CSRD und den eingeführten neuen Standards ESRS. Diese sollen eine Vergleichbarkeit schaffen, welche durch andere, freiwillige nicht gegeben ist.

Es lassen sich zwei Arten des „Nachhaltigkeitsberichts“ definieren.

Schon sind wir bei den maßgeblichen Begriffen der CSRD, also der Corporate Sustainability Reporting Directive und ihren in der ESRS (European Sustainability Reporting Standards) definierten Themen. Diese Berichte ersetzen mittelfristig die früheren Nachhaltigkeitsberichte. Diese werden Teil des Lageberichts, mit einer klaren regulatorischen Struktur. Darüber hinaus werden die erhobenen Daten in der Nachhaltigkeitskommunikation für eine breitere Zielgruppe weitergeführt.

Von diesen Umständen abgeleitet, lassen sich zwei Arten des „Nachhaltigkeitsberichts“ definieren: Einerseits jene auf ESRS basierenden Berichte mit formaler Berichterstattung und andererseits jene, die thematisch in den Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation zu verorten sind. Es ist ein Spagat zwischen Kennzahlen, formalen Beschreibungen und dazugehörigem Storytelling. Beiden Formen möchte ich mich folgend differenziert widmen und im Anschluss mögliche Gemeinsamkeiten aufzeigen.

Nachhaltigkeitsberichte gemäß ESRS

Vor allem große Unternehmen sind hier in der Pflicht: Unternehmen, die unter die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fallen, müssen nach den ESRS-Standards berichten. Die derzeit gültigen Verordnungen finden Sie unter diesem Link. 

Merkmale sind:

  • Regulatorik: Die ESRS geben genau vor, welche Themen offengelegt werden müssen, darunter Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG).
  • Datengetrieben & prüfbar: Beinhaltet quantitative Kennzahlen wie CO₂-Emissionen (Scope 1, 2, 3), Energieverbrauch, soziale Indikatoren (z. B. Gender Pay Gap), Lieferkettenrisiken usw.
  • Doppelte Materialität: Unternehmen müssen berichten, wie Nachhaltigkeitsaspekte ihr Geschäft beeinflussen (Outside-in-Perspektive) und wie ihr Geschäft die Umwelt & Gesellschaft beeinflusst (Inside-out-Perspektive).
  • Adressaten: in erster Linie Investoren, Regulierungsbehörden, Geschäftspartner und Stakeholder, die nachhaltigkeitsbezogene Entscheidungen treffen.
  • Externe Prüfung: In der EU müssen Unternehmen diese Berichte von unabhängigen Wirtschaftsprüfern prüfen lassen (ähnlich wie Finanzberichte).

„Nachhaltigkeitsbericht“ für ein breiteres Publikum (Nachhaltigkeitskommunikation)

Gleich vorab: Der Begriff Nachhaltigkeitsbericht steht hier ganz absichtlich in Anführungszeichen. Bei diesem besteht kein gesetzlicher Zwang, sondern wir sprechen hier von einem Kommunikationsinstrument für Kunden, Mitarbeitende und andere Stakeholder – also eine breitere Öffentlichkeit. Sie sind freiwillig & zielgruppenorientiert.

Merkmale:

  • Leicht verständliches Storytelling: Statt reiner Zahlen liegt der Fokus auf nachvollziehbaren Erfolgsgeschichten und der emotionalen Vermittlung von Nachhaltigkeitswerten.
  • Visuelle & illustrative Aufbereitung: Mit Bildern, Infografiken und verständlichen Erklärungen statt komplexer Tabellen.
  • Impact & Engagement: Zeigt, wie das Unternehmen nachhaltig handelt – durch Innovation und gezielte Maßnahmen.
  • Keine formale Prüfung notwendig: Mit Blick auf die Green Claims Directive und der Empowering Consumer Directive – müssen die Aussagen faktenbasiert und nachvollziehbar hinterlegt werden, um die Glaubwürdigkeit zu stützen.

Hurra, wir haben einen Nachhaltigkeitsbericht! Aber was nun?

Wenn wir vom einem Nachhaltigkeitsbericht sprechen, sprechen wir klar vom formalen, datengetriebenen Bericht. Dieser ist – nicht nur bei großen, berichtspflichtigen Unternehmen – Basis für eine funktionierende Nachhaltigkeitskommunikation. Das Gleiche gilt auch für kleine und mittlere Organisationen, die auf Grundlage der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs) oder vergleichbaren, freiwilligen Standards wie GRI oder jener der Gemeinwohlökonomie berichten.

Besonders mit Blick auf die Green Claims Directive, ist man gut beraten, die in zahlreichen Datenpunkten erhobenen KPIs als transparente und nachvollziehbare Basis für die Nachhaltigkeitskommunikation heranzuziehen.

Praxisbeispiele

Während sich der formale Nachhaltigkeitsbericht aufgrund von der vorgeschriebenen Maschinenlesbarkeit nicht durch ansprechende Gestaltung auszeichnen muss, darf man in der Nachhaltigkeitskommunikation gerne kreativ denken. Der deutsche Limonadenhersteller fritz-kola zum Beispiel hat seine Nachhaltigkeitsbemühungen 2022/23 im Rahmen der Nachhaltigkeitskommunikation auf Häuserfassaden oder mittels A1-Plakaten kommuniziert. Reduziert auf schwarz/weiß-Sujets. Dabei zeigt sich auch klar der Unterschied zwischen formal und freiwillig: Einerseits werden Kennzahlen ganz transparent kommuniziert, andererseits werden diese durch einen – den klassischen Sujets entsprechenden – „Witz“ leichter verdaulich dargestellt.

Die Österreichische Lenzing AG zeigt – als berichtspflichtiges Unternehmen – auch praktikable Möglichkeiten auf: für die Stakeholder der formalen Variante gibt es das Zahlenwerk als PDF mit ergänzenden Excel-Dateien zum Download. Die Auflösung für die gelebte Nachhaltigkeitskommunikation glänzt durch eine übersichtlich, aber eben „leichtere“ Homepage zum Thema, gespickt mit einfachen Animationen und jeder Menge weiterführenden Links.

Die Basis stellt immer ein formaler Bericht – unabhängig vom hinterlegten Standard – dar.

Egal, wie sich der Weg gestaltet, eines lässt sich festhalten: Die Basis stellt immer ein formaler Bericht – unabhängig vom hinterlegten Standard – dar. Nur so lässt sich das Storytelling der Nachhaltigkeitskommunikation transparent und belegbar entwickeln und umsetzen. Und ja, die Zahlen liefern die Geschichten … von den formalen Vorgaben hin zu Geschichten, welche die Leserin, den Leser packen – sie fesseln und dem Thema Nachhaltigkeit jene Vielfalt und Buntheit geben, die wir brauchen, um es leben zu können.

Umsetzung?

Wenn Sie fragen sich, wie Sie das alles umsetzen können? Ganz einfach – fragen Sie uns!Unser Expertinnen und Expertenteam bringt das nötige Know-how und die Erfahrung mit, Sie bei diesen Aufgaben unterstützen. Zudem beschreibt meine Kollegin Sabine Wolfram in ihrem Blogbeitrag „Nachhaltigkeit: 7 Schritte von Zahlen zu Geschichten“ wie sie die „Nachhaltigkeitsbericht für ein breiteres Publikum“ erstellen, also alles rund um die Nachhaltigkeitskommunikation 7 Schritten.

Autor: Max Niederschick ist Gestalter, strategischer Kopf und Nachhaltigkeitsmanager. Er ist bei NWP für die konzeptionelle Gestaltung, Kreativsessions und Nachhaltigkeitskommunikation verantwortlich.

Niederschick, Wolfram & Partner
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